Tiefenschärfe


Hier wird deutlich, was das eigentlich ist.

Stellt euch vor: Ihr wollt ein Portrait-Foto von einer Person machen, die auf einer Wiese steht.
Im Hintergrund sind Bäume zu sehen. Wichtig hierbei ist, dass die Person auf dem Foto später scharf zu sehen ist.
Sollen die Bäume im Hintergrund ebenfalls scharf zu sehen sein, oder ist das eher unwichtig?

Spätestens jetzt seid ihr beim Thema "Tiefenschärfe" angekommen.

Das folgende Bild dient als Beispiel. Hierbei handelt es zwar nicht um eine Person und um Bäume, dafür aber um einen Teil von einem Kirschbaum. Im Hintergrund sind Äste, Straßenschilder und ein Hochhaus zu sehen.

Das Foto wurde mit einer Blende von 11 aufgenommen. Das ist ein recht hoher Wert. Das heißt für uns, dass sich die Blende nur sehr wenig öffnet und somit nur wenig Licht hinein fallen kann. Zum Fotografieren ist Licht aber notwendig, schließlich wollen wir ja keine dunklen Fotos haben. Um das auszugleichen, muss im Gegenzug die Belichtungsdauer relativ lang sein. Im folgendnen Beispiel beträgt sie 1/80 Sekunde. Die Blende öffnet sich also nur wenig, bleibt dafür aber umso länger offen, damit genügend Licht "hineinströmen" kann.

Wie wirkt sich das nun auf das Foto aus?

Kleine Blende (hoher Blendenwert) bedeutet: Hohe Tiefenschärfe! Der Hintergrund ist also noch halbwegs scharf zu erkennen.
Der Vordergrund ja sowiso. Also alles prima, oder?
Leider nicht ganz, denn die Belichtungsdauer beträgt ja 1/80 Sekunde! Das ist ganz schön lange, in dieser Zeit kann viel passieren.
Z.B. kann der Fotograf mit der Hand zittern, oder die Person auf der Wiese bewegt sich. Ebenso könnte eine Windböhe ihre Haare
durcheinander wirbeln, also bewegen! Das alles in dieser 80stel Sekunde, in der der so genannte "Shutter" offen ist.

Das Ergebnis kennt wohl jeder, der schonmal fotografiert hat: Das Foto ist unscharf - und zwar nicht nur im Hintergrund, sondern insgesamt.
Somit ist die Aufnahme unbrauchbar.

Warum machen wir es nicht also anders herum? Wir stellen eine hohe Verschlußzeit ein - z.B. 1/800 Sekunde!
Das ist so kurz, dass ein Wackler überhaupt nicht mehr auffällt, und auf jeden Fall unser Motiv gestochen scharf wird.
Doch was ist mit unserem Hintergrund? Durch unsere schnelle Verschlußzeit kommt kaum Licht in die Kamera,
denn kaum ist der Shutter geöffnet, ist er auch schon wieder zu. Also bleibt uns nur die Möglichkeit, die Blende
ganz weit zu öffnen. Weit offene Blende heißt: niedriger Blendenwert. In unserem folgenden Beispiel 3,6.
Leider bedeutet eine weit offne Blende: Geringe Tiefenschärfe! Unsere Bäume im Hintergrund werden also auf dem Foto nur verschwommen zu sehen sein. Als Beispiel dient das nächste Foto: Man kann die Äste, Straßenschilder und das Hochhaus kaum noch
erkennen.

Zusammenfassung:

Niedriger Blendenwert (z.B. 3,6) = große Blende (öffnet sich weit) = schnelle Verschlußzeit: Motiv wird scharf, aber der Hintergrund eher unscharf, aufgrund der geringen Tiefenschärfe.

Hoher Blendenwert (z.B. 11) = kleine Blende (öffnet sich nur wenig) = langsame Verschlußzeit: Motiv kann unscharf werden,
aber das Gesamtbild hat eine höhere Tiefenschärfe, falls man im Hintergrund noch etwas erkennen will.